Was ist das Gegenteil von Freiheit? Für eine:n wohlsituierte:n Europäer:in vielleicht Deadline oder Lockdown. Für einen Menschen aus Belarus: Gefängnis.
Martinowitsch nimmt in seinem packenden und bewegenden Beitrag die Freiheit auseinander „wie eine Matrjoschka-Puppe“: Von außen sichtbar ist der freedom, darinnen steckt die innere liberty, darin die Gedankenfreiheit, die noch einen winzigeren Kern birgt: die „reinste, eidetische Freiheit“. Ein Irrtum seiner „virtuellen Kamera“ überrascht den Autor und Filmemacher Alexander Kluge, als er die New Yorker Freiheitsstatue nach Ostasien versetzen lässt. Die alternative Freiheitsstatue trägt asiatische Gesichtszüge und eine Fackel in der rechten Hand. Aber auch ihre linke Hand brennt. „Der Irrtum ist erzählerisch intelligenter, als man glaubt“, so Kluge in seinem Essay. „Wenn wir unsterblich würden, gäbe es keine Freiheit mehr“, sagt Katharina Hoppe. Und Alexander Kluge: „Wir sind Produzenten unseres Lebens. […] Um irgendetwas zu verstehen und einen Freiheitsbegriff entwickeln zu können, bedarf es mindestens dreier Generationen, die einander Geschichten erzählen und zuhören.“ Klimapolitik versus Freiheit? Dieses Narrativ verkürzt den Freiheitsbegriff auf Partikularinteressen. Individuelle Freiheit basiere immer auf gemeinsamen Regeln, argumentiert Sophie Pornschlegel, sie sei keine egoistische Konsumveranstaltung für Einzelne. Schreibblockade und ein kaputter Rücken: Auch solche Grenzen können Freiheit stimulieren. Aus Enge und Müdigkeit entstehen Bewegung und Energie, Grenzen zu verschieben. Ein Kick für die Freiheit! Und aus dem Rat einer Bewegungstherapeutin erwächst ein Essay über Grenzen und Freiheit, Energie und Gemeinschaft. Wie frei soll, kann, darf der Energiemarkt sein? Ulrike Herrmann und Christoph M. Schmidt beziehen unabhängig voneinander Stellung zu drei Thesen. Mode hat ihre eigenen Regeln und Normen, spielt aber zugleich mit ihnen, umspielt und überschreitet sie. „Mode“, sagt Barbara Vinken im Interview, „übt selten offene Kritik, sie setzt sich mit Konventionen auseinander und spielt Konventionen gegeneinander aus.“ „Kunstfreiheit und Meinungsfreiheit sind immer auch ein Gradmesser für
die Stärke einer Demokratie“: Claudia Roth im Interview über Grenzen der
Kunstfreiheit, Diversität und Diskriminierung, ökologische Transformation
in der Kulturbranche und die Kontextualisierung von Kunst der Vergangenheit. Kunst und KI, Mensch und Maschine, Macht und Moral, Ethik und Freiheit: Die Ausstellung Broken Machines and Wild Imaginings der JUNGEN AKADEMIE, Berlin, präsentierte im Sommer 2023 Installationen von Stipendiat:innen. Liebesmaschinen, queere Computerwesen, melancholische Androiden. „Die Kunst ist frei – und das ist gut so“, sagt Ina Brandes, NRW-Ministerin für Kultur und Wissenschaft. Wie verhält sich das zur Forderung, Ressourcen zu sparen? „Der Verzicht auf Kunst und Kultur würde das Klima jedenfalls nicht retten, aber ganz bestimmt dem Zusammenhalt in der Gesellschaft großen Schaden zufügen.“ Musik und Klima: Orchester, Bands und Solomusiker:innen sind „grün“ unterwegs – und langsam: Slow Touring. Die Münchner Philharmoniker kommen zu spät mit der Bahn zum Konzert. Soundkünstler Felix Claßen machte bessere Erfahrungen auf seiner Frankreich-Tournee mit Bahn und Metro und solarbetriebenem Synthesizer. Nach vielen anregenden und gelungenen Gesprächen zwischen Menschen verschiedener Generationen – ein misslungener Versuch des Gesprächs mit einem Chat-Bot. Misslungen, aber höflich. Und unterhaltsam. Kriege, Überflutungen und Dürren, Flucht, Hunger und Armut – Krisen stapeln sich. Das Unternehmen civey fragt Menschen nach ihrer Meinung. Wie stehen sie zur Energiewende? Eine Analyse der Zahlen. Maximal dreißig gewählte Personen – aus Politik, Verwaltung, Wirtschaft und Zivilgesellschaft einer Kommune – bilden einen Kommunalen Entwicklungsbeirat. Die Aufgabe: gemeinsam Handlungsempfehlungen erarbeiten, konkrete Ideen für die Zukunft der Kommune. Lütfiye Güzel ist Dichterin und bringt seit 2014 Gedichte unter ihrem eigenen Label go-güzel-publishing heraus. 2017 wurde Lütfiye Güzel mit dem Literaturpreis Ruhr ausgezeichnet. Für das E.ON Journal gestaltete sie die letzte Seite.